Dienstag, 23. Februar 2016

Daniela Knor im Interview


-Magst du Dich mal kurz vorstellen?
Mein Name ist Daniela Knor, und ich schreibe unter verschiedenen Namen Fantasy und Science Fiction. Ursprünglich stamme ich aus Mainz, bin seit dem Abitur aber so oft umgezogen und habe an so vielen Orten einige Monate oder Jahre verbracht, dass ich manchmal schon den Überblick verliere. Mein Hauptwohnsitz ist mittlerweile aber wieder Mainz, wo ich mit meinem Mann und unserem Hund lebe und als Vollzeit-Autorin vor allem Romane schreibe.
 

-Wie kam es dazu, dass du angefangen hast zu schreiben?
Das begann schon sehr früh. Als Kind habe ich mir gern die wildesten Geschichten ausgedacht, und so in der vierten oder fünften Klasse habe ich angefangen, sie aufzuschreiben. Als Teenager begann ich mit meinem ersten Roman, der dann viele Jahre später in einer gründlich überarbeiteten und viel erwachseneren Version beim Piper Verlag erschien.
 

- Du schreibst ja noch unter einem Pseudonym! Warum hast du dich dazu entschieden?
Ich habe sogar mehr als ein Pseudonym, aber mehr wird darüber nicht verraten  ;-) Eigentlich sind Pseudonyme schon fast unvermeidlich geworden, weil Verlage, Buchhändler und Leser dazu neigen, einen Autorennamen mit einer bestimmten Art von Büchern zu verbinden. Also um ein ganz klassisches Beispiel zu nennen: Rosamunde Pilcher steht für eine bestimmte Art von Liebesromanen, die in Cornwall oder zumindest Großbritannien angesiedelt sind. Selbst Leute, die nie etwas von ihr gelesen haben, erwarten genau das, wenn sie eines ihrer Bücher sehen. Um dieser Falle zu entgehen, wählen viele Autoren ein Pseudonym, wenn sie etwas Neues ausprobieren wollen. Unter dem neuen Namen können sie neue Wege erproben, ohne mit Vorurteilen kämpfen zu müssen oder ihre Stammleser zu enttäuschen. Mir macht es Spaß, diese Freiheit zu nutzen, denn es würde mich sehr langweilen, immer dasselbe schreiben zu müssen.
 

-Du selbst hast ja fast einen kleinen Zoo. Mit welchen Tieren Lebst du zusammen?
Den „Zoo“ hatten wir, als mein Mann und ich zwölf Jahre lang auf einem Bauernhof gelebt haben. Er umfasste eine Hühnerschar, Pferde, unseren Hund, und natürlich gab es auch ein paar Katzen. Sie dürfen auf keinem Bauernhof fehlen  Es war eine sehr schöne, aber auch arbeitsreiche Zeit. Mittlerweile leben wir aus beruflichen Gründen wieder in Mainz und haben nur noch einen Hund, einen Border-Collie-Mix, der uns viel Freude bereitet.
 

-Wie ist es zu deinem kleinen Zoo gekommen ?
Tiere gehörten bei uns daheim schon immer zur Familie. Als mein Mann und ich die Chance hatten, einen Bio-Obsthof zu pachten, haben wir die Gelegenheit genutzt und auch viel Platz für Tiere vorgefunden. Angefangen hat es mit dem Hund, den wir mitbrachten, und den Katzen, die schon dort lebten. Dann kamen nach und nach die Pferde und Hühner dazu, denen wir viel Freiheit bieten konnten. Die hatten dort ein kleines Paradies
 

-Wo schreibst du am Liebsten? Zeigst du uns ein Foto?
Von meinem unaufgeräumten Schreibtisch?!? Nein, dieses Chaos lassen wir lieber im Dunkeln ;-) Aber genau genommen schreibe ich jedes Buch woanders. Es kommt mir manchmal vor, als ob sich jeder Roman einen Platz aussucht, an dem er geschrieben werden möchte, und dort klappt es dann am besten. So entstand „Drachenblut“ überwiegend auf einer Couch in München, mein erster Engel-Roman entstand im ehemaligen Zimmer meiner Schwester (vielleicht weil er in Paris spielt und sie ein großer Paris-Fan ist), und einen meiner neuesten Romane habe ich auf der Bank unseres Wohnmobils geschrieben.
 

-Einige deiner Bücher gibt es ja als Hörspiel! Ist es nicht aufregend so etwas vorzubereiten?
Ich habe eigens ein Hörspiel für eine Jugendfantasy-Serie des Labels „EUROPA“ geschrieben, und es war wirklich aufregend, die Umsetzung mitzuerleben. Nach und nach kamen die Musik, Hörproben und schließlich das ganze Hörspiel bei mir an. Die eigenen Texte von professionellen Sprechern vorgetragen zu hören, ist schon etwas Besonderes. Das war zum Teil sehr überraschend, weil ich die Stimmen ja zum ersten Mal hörte, aber vor allem war es toll gemacht!
 

- Was machst Du nach dem du ein Buch fertig geschrieben hast? Stürzt Du dich direkt ins nächste Schreibabenteuer?
Meistens habe ich schon wieder neue Ideen, bevor ein Buch fertig ist. Aber nach mehreren Monaten intensiven Schreibens bin ich erst einmal ausgelaugt und brauche dringend ein paar Wochen Erholung. Sobald die Batterien dann wieder aufgeladen sind, zieht es mich wieder an den Schreibtisch zurück. Die neuen Ideen drängen ja darauf, verwirklicht zu werden
 

- Hast du eine neues Projekt das du uns schon verraten kannst?
Über den Roman, an dem ich gerade arbeite, darf ich leider nichts verraten, weil er unter Pseudonym erscheinen wird. Aber danach werde ich wahrscheinlich wieder unter meinem echten Namen schreiben und einen weiteren Ausflug nach Asien unternehmen. Falls nichts dazwischenkommt (was nach meiner Erfahrung öfter vorkommt, als man so denkt), wird mein nächster Roman in Indien spielen.
 

- Wie wichtig sind Dir Rezensionen? Wie sehr nimmst Du dir Kritik zu Herzen?
Sachliche Rezensionen sind mir aus zwei Gründen wichtig: Zum einen ist es schön, dass sich jemand die Zeit nimmt, sich intensiver mit meinem Buch zu beschäftigen. Solche Rezensionen lese ich aufmerksam und überlege, ob ich daraus etwas für neue Romane lernen kann. Und wenn sie viel Lob enthalten freue ich mich natürlich sehr und lerne auch daraus  Zum anderen ist es für Autoren wichtig, dass Leser durch Rezensionen auf ihre Bücher aufmerksam werden. Denn nur wer genug Bücher verkauft, bekommt weitere Verlagsverträge oder kann es sich finanziell überhaupt leisten zu schreiben. Zum zweiten Teil der Frage kann ich sagen, dass ich mir Kritik früher mehr zu Herzen genommen habe. Mit der Zeit merkt man, dass manche Rezensenten Verrisse schreiben und beleidigend werden, um ihren Frust über irgendwelche anderen Dinge abzulassen. Das beziehe ich nicht mehr auf mein Buch oder mich und kann nur den Kopf darüber schütteln. Sachliche Kritik nehme ich dagegen ernst und prüfe, ob sie gerechtfertigt ist. Kein Autor kann es allen Lesern recht machen, deshalb wird es immer unzufriedene geben, aber es ist auch wichtig, berechtigte Kritik annehmen zu können. Das ist ein Balanceakt, den jeder Autor lernen muss.
 

- Was ist bis jetzt der Schönste Moment in Deiner bisherigen Zeit als Autorin gewesen?
Eigentlich gab es da viele sehr schöne Momente, die ich alle gleich toll fand. Zum Beispiel ist es schon etwas Besonderes, wenn Leser ihrem Kind den Namen einer Figur aus einem meiner Romane geben! Aber auch davon abgesehen habe ich schon einige Mails von Fans bekommen, die so schön geschrieben waren, dass ich sehr berührt war. Ein großer Moment war natürlich auch meine erste Lesung in einem großen (Kino-)Saal oder mein erstes (und bislang einziges) Fernseh-Interview. Und nicht zuletzt freue ich mich immer noch über begeisterte Rezensionen oder unerwartet hohe Verkaufszahlen. Das sind die Momente, in denen ich merke, dass sich meine Arbeit wirklich gelohnt hat, weil ich vielen Leuten damit schöne Lesestunden bereite.
 

- In welchem Buch würdest du gerne mal die Hauptrolle spielen? Wer wärst du da?
Hm, ich begleite ja ständig die Hauptfiguren meiner Romane durch ihr Leben, was sich recht ähnlich anfühlt, als ob ich diese Rolle selbst spielen würde. Zusätzlich zu meinem eigenen Leben ist das aber auch ganz schön anstrengend. Ich glaube, wenn ich das Bedürfnis habe, eine bestimmte Rolle zu spielen, dann schreibe ich tatsächlich ein Buch, in dem ich genau das tun kann ;-)
 

- Hast du ein Lieblings Buch oder Autor?
Ein absolutes Lieblingsbuch habe ich nicht, weil es viel zu viele tolle Bücher gibt, und sie sind zu unterschiedlich, um zu sagen: Das ist das wunderbarste von allen. Ich lasse sie lieber in ihrer Einzigartigkeit nebeneinander stehen. Bei Autoren habe ich dagegen schon Phasen, in denen ein bestimmter Autor oder eine bestimmte Autorin mein Favorit ist, aber auch das wechselt. Aktuell ist Philip K. Dick der Autor, den ich am meisten lese. Dicht gefolgt von Peter Wohlleben und Naomi Klein.
 

- Welches Buch steht ganz oben auf deiner Wunschliste?
Momentan steht „Das Licht der letzten Tage“ von Emily St. John Mandel ganz oben, weil ich schon viel Gutes über das Buch gelesen habe.
 

- Wie ist es für dich dein Eigenes Buch bei Amazon oder anderen Shops zu sehen ?
In der ersten Zeit war es natürlich sehr ungewohnt und manchmal überraschend. Nach mittlerweile 16 Romanen in fast ebenso vielen Jahren empfinde ich es als Normalität, in Online-Shops vertreten zu sein. Was dagegen immer noch ein bisschen überraschend ist, weil es sich viel realer anfühlt, das sind die Momente, wenn ich in einer Buchhandlung auf eins meiner Bücher stoße oder gar ein kleiner Stapel dort liegt. Ich glaube, daran werde ich mich nie gewöhnen und mich immer darüber freuen.
 

- Was würdest du angehenden Autoren mit auf den Weg geben?
Etwas Ähnliches wie der Rat Yodas an Luke Skywalker: Auch als Autor sollte man nicht den leichtesten oder schnellsten Weg wählen ;-) An Widerständen und Kritik wachsen wir und lernen daraus. Niemand fällt als Meister vom Himmel, und in der Buchbranche gehören auch ein bisschen Glück und der richtige Zeitpunkt dazu. Deshalb dauert es oft Jahre, bis sich Erfolg einstellt, auch wenn wir selbst glauben, dass wir schon sehr gut schreiben können und alles richtig machen. Also niemals aufgeben, weiterschreiben, dazulernen!
 

Vielen lieben Dank das du dir die Zeit genommen hast
LG

Phinchen
 

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